…last days of Pregnancy-Part II…

… was geht den hier ab, dachte ich. Eine Ärztin kommt näher… „Ihre Thrombozyten sind gefallen.“ Ich antworte:“ Ja aber familiär-bedingt habe ich immer mehr weiße Blutkörperchen und weniger rote.. ist bei meinem Papa und meinem Bruder genau so.. fällt nie auf nur auf jedem Blutbefund…“ Sie:“Letzter Wert?“ Ich:“ 110 (unterste Grenze bei normalen Menschen ist 150) Sie:“hmm das muss ich erstmal klären“ Ich: „Wie war den der Wert heute?“ Sie: „99“ und ich darauf: “ … aber zwischen 110 und 99 ist jetzt nicht sooo viel Unterschied oder?“ Sie:“ naja, wenn Ihre Thrombozyten in TAUSENDERSCHRITTEN fallen dann ist das schon ein großer Unterschied…“

Stille

„und jetzt?“, frage ich geknickt. „Sie bleiben erstmal hier und ich ziehe den Oberarzt zu Rate…“ Plötzlich fallen mir hundert Sachen ein :“ Ich kann aber nicht bleiben! Mein Freund hat langen Dienst heute, mein Kind ist im Kindergarten, der Hund muss auch noch irgendwie raus, meine Tasche steht im Vorzimmer und mein Auto steht in der Kurzparkzone!!“ Sie (gaaanz ruhig):“ Ihre Tasche bleibt hier und Sie parken Ihr Auto um..“ „OK“, antworte ich und gehe wie auf Schienen nur mit meinem Handy und dem Autoschlüssel aus der Station. Ich setze mich ins Auto und parke es eine Strasse weiter.. Kaum ist der Schlüssel abgezogen laufen mir die Tränen über die Wangen. Strömend. Ich rufe meinen Freund an und er hat große Mühe zu verstehen was ich ihm da sage. Ich weiß gar nicht so genau warum ich eigentlich bleiben muss. Aber ich habe eigentlich gar keine Zeit.. Seine Stimme beruhigt mich. Er gibt mir Kraft. Er kümmert sich um alles und ich soll versuchen mich zu weiter zu beruhigen. Er meldet sich so bald er kann…

Zurück auf der Station ist schon ein Bett bereit. (das hätte mir zu denken geben sollen…) Hinlegen. Liegen bleiben. Alles klar. Zwei Studenten betreten das Zimmer und sehen aus wie eine eine aufgedrehte Version von Dick und Doof – aber sehr Nett:) Anamnese. Blutdruck messen. Medikamente nehmen. Sie gehen und ich bin allein in dem grün-gelben Dreibett-Zimmer. 10 Minuten später betritt eine neue Figur in Weiß die absurde Szene. „Können Sie laufen?“ „ja.“ „Dann gehen wir zum Schall rüber bitte“, sagt die kleine braunhaarige junge Frau die aussieht als wäre sie einem Fashion-Magazin für Ärzte entsprungen. Enge Weiße Jeans, blaue rüschchen Bluse. Taillierter Arztkittel. Fesch. Ihr kalter Gesichtsausdruck hingegen nimmt ihrer Erscheinung den Glanz. Ultraschall. Kaltes, klebriges Gel. Stille am anderen Ende des Geräts. Der Bildschirm wird nicht zu mir gedreht. Nach ein paar Minuten spricht „es“ zu mir … „Ich suche nach einer Vene am oberen Ende der Gebärmutter und möchte wissen wie die Versorgung Ihres Kindes läuft. Mit diesem Wert lässt sich berechnen wie lange Ihr Kind schon zu wenig versorgt wurde.“ Leere in meinem Kopf. Ich muss am Rücken liegen und immer wieder die Luft anhalten…(im 8. Monat schwanger nicht die leichteste Übung) …immer wieder wird mir schwindelig. Die fashion-Tante, die anscheinend eine 5 in Empathie und Sensibilität hatte, drückte ziemlich fest immer wieder auf die selbe Stelle ein. Dort wo sich vor Monaten einmal mein Magen befunden hat. Spätestens jetzt haben alle Organe den Rückzug angetreten..

Nach 45 Minuten (in Worten: FÜNFUNDVIERZIG Minuten) hat sie endlich den gesuchten Wert – mir wird aber nicht gesagt was das bedeutet. Ich bin müde. Da wo mal mein Magen war, schmerzt es. Krümelchen bewegt sich immer mal wieder und ich bin heilfroh dass es sich bemerkbar macht! Zurück auf meinem Zimmer wird wieder Blutdruck gemessen. Keine Veränderung aber auch zum Glück nicht gestiegen. Endlich ruft mein Schatz mich an und sagt er hat alles im Griff: Kind ist abgeholt, Hund versorgt, er gibt noch seinen Eltern Bescheid und dann holt er meine Tasche und kommt zu mir. Ich bin erleichtert und genieße die paar Minuten Ruhe auf dem Zimmer. Gegen 17:00 Uhr sind sie endlich bei mir und ich freue mich meine Männer in den Arm nehmen zu können. Als wir plaudern und die mittlerweile dazugelegten zwei neu-Patientinnen haben auch Besuch. Gleich mal in eine bequeme Hose schlüpfen.. Heute wird wohl keine Visite mehr sein.. Es klopft. Der (bis dahin ungesehene) Oberarzt kommt herein. Ein Durchschnitts-Typ, dunkel blond, blaue Augen aber eine liebevolle und ein fast väterliches Auftreten. Er schickt den Besuch der anderen Patientinnen raus..doch eine Visite? Mein Kerl darf bleiben. Der Oberarzt shakert ein bisschen mit Mickey und nimmt ein bisschen die Spannung im Raum. Sein Blick sieht irgendwie Mitleidig aus. Kann es schwer zuordnen und vertraue in der Situation auch nicht mehr auf mein Bauchgefühl.

„Ihr Blick sagt nichts gutes oder?“, fragt mein Schatz verunsichert. Kopfschütteln. Er stellt sich kurz vor. Danach klärt er uns auf. Wir warten noch auf einen letzten Wert aber so wie es aussieht haben sie den Verdacht auf ein HELLP Syndrom. In Wikipedia steht:

Das HELLP-Syndrom ist eine schwerwiegende Erkrankung während der Schwangerschaft, die zu den hypertensiven Störungen gehört. Dabei stehen die Buchstaben HELLP für die englischen Begriffe der wichtigsten Befunde:

Das HELLP-Syndrom kommt bei etwa 1-2 von 300 Schwangerschaften vor, etwa 4 bis 12 % der Schwangeren mit schwerer Präeklampsie bilden ein HELLP-Syndrom aus.

FUCK. Sorry das wollte ich nicht mal denken aber außergewöhnliche Situationen bedarfen außergewöhnliche Massnahmen/Worte. Ich beginne zu weinen. Eigentlich wollte ich stark sein aber das ist mir alles zu viel für einen Tag. Uns wird ruhig und mitfühlend erklärt dass Krümelchen in den nächsten Tagen kommen wird. Eher Stunden und wenn der letzte Wert schlecht ist reden wir eher von heute Abend. HEUTE? Kann es noch schlimmer werden? Keine Chance, dass es in meinem Bauch noch wenigstens bis zur 37. SSW sicher(er) ist? Kann ich nicht liegen oder sonst etwas tun um ihm noch ein bisschen mehr Zeit zur schenken um zu wachsen? Nein. Das Baby wird wahrscheinlich noch heute geholt…

 

Das muss ich erstmal verdauen…

 

Fortsetzung folgt…

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